Ausbildungstörns für neue Crewmembers

Die Ausbildungstörns auf der Roter Sand führt nun EcoMaris in Kananda durch:

ecomaris.org/formations-leadership

Fotoalbum Ausbildungstörn April 2011


Im Vordergrund steht die seemännische Handhabung der Gaffelketsch in Theorie und Praxis, sowie das gemeinsame (Er-)Leben an Bord.

Inhalte / Themen:

  • Sicherheitseinweisung
  • Einweisung in Schiffstechnik und Ausrüstung
  • Besan-Segel und Klüver anschlagen
  • Dinghi fahren
  • Leinen-Handling beim An- und Ablegen
  • Handhabung der Fender 
  • Segel setzen und bergen / packen
  • Navigation klassisch und elektronisch
  • Ausguck gehen
  • Rudergänger / Steuern des Schiffs
  • Seemannschaft im Team

Wir freuen uns sehr über neue Gesichter. Voraussetzung ist Lust auf traditionelles Segeln im Team in einem der anspruchvollsten Segelreviere Europas. Über Scheine und Patente freuen wir uns immer, sie sind aber kein Muss, denn an Bord werden immer viele Hände gebraucht.

 

Segelkonzept der Ausbildungsfahrten

Segelkonzept: Charakterbildung von Menschen

Die Roter Sand wurde so geplant, dass mit einer ungeübten Crew längere Seereisen gemacht werden können und dass sie als Kimmkieler an den Nordseeküsten besonders für die Wattfahrt geeignet ist. Sie trägt ein Rigg, das die Elemente klassischer Gaffeltakelung mit den Prinzipien der Yachttakelung aus den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verbindet und einfach und sicher zu bedienen ist.

Diese Art der Beseglung wurde gewählt, damit jugendliche Segler ebenso wie interessierte Erwachsene aus dem Segelsport die Möglichkeit finden können, den Umgang mit klassischen Segeltechniken praktisch zu erlernen, die im modernen Yachtsport so nicht vermittelt werden können.

Der Vergleich zum Yachtsport verbessert nicht nur das Verständnis für die historische Entwicklung, sondern fördert auch das sichere Manövrieren. Mit den ganz anderen Zeitabläufen, dem notwendigen Vorplanen von Manövern und einer geduldiger Ausführung ist ein wesentlicher Lerneffekt damit verbunden, dass nicht ein schnelles, sondern ein sicheres Manöver traditionelle Seemannschaft ausmacht. Hier liegt hier ein Schwerpunkt des Konzeptes für den Schiffsbetrieb. Gerade ungeübte Mitsegler lernen die Zusammenhänge der einzelnen Segelmanöver gut kennen und können nach kurzer Zeit unter Aufsicht die Ausführung von Manövern leiten. Auf den Törns werden regelmäßig die klassischen Manöver wie Wenden, Halsen, Segelwechsel und Reffen durchgeführt.

Das Segelschiff ist ein herausragendes Instrument zur Charakterbildung von Menschen, mit dem durch die Arbeit im Team die Achtung und Wertschätzung gegenüber Mensch und Material bei engagierter Sachkunde und Einsatzbereitschaft von Stammbesatzung und Mitseglern erlebbar wird.

Die Unterdeckaufteilung entspricht daher der Möglichkeit, die Sozialisierung der Menschen an Bord mit einer  Förderung des Gemeinschaftslebens zu entwickeln. Es sind unter Deck keine Kammern eingebaut. Die Unterbringung erfolgt in Kojen an den beiden Seite der großen Messe, die auch Gemeinschafts- und Schulungsraum ist.  

Auf den Hochseetörns erfolgt eine konsequente Wacheinteilung, die dem Team „Wache“ die Verantwortung für die Segelhandhabung und Segelanpassung im Wachverlauf überträgt. Das geräumige Ruderhaus ist ebenso Wachraum wie Kartenhaus mit nautischer Ausrüstung und Funkgeräten. Es ist so eingerichtet, dass die Wachgänger die Möglichkeit haben, die sichere Anwendung der klassischen terrestrischen Navigation und ihre nautischen Kenntnisse anzuwenden und zu verbessern.

Die Bordorganisation ist auf eine vollständige Integration aller Personen an Bord in den Schiffsbetrieb und ihre Einteilung in Wachen ausgerichtet. Mit dem klassischen Dreiwachensystem lässt sich das Schiff rund um die Uhr gut handhaben.
Die Segeltörns sollen den Mitseglern Erfahrungen vermitteln, die vor allem die jungen Menschen in unserer konsumorientierten und bequemlichen Zivilisation kaum noch machen können. Dazu gehören mit einem weiteren Schwerpunkt die Regatten und Veranstaltungen der Organisation Sail Training International STI, die als Mitglied der Sail Training Association Germany STAG wahrgenommen werden.

Jeder Segeltörn beginnt mit einer umfassenden Sicherheitseinweisung. Dazu gehören die Unterweisung in der Handhabung von Rettungsmitteln, Brandschutzausrüstung und Seenotsignalen sowie das Verhalten im Seenotfall und beim Verlassen des Schiffes. Ein Mann-über-Bord-Manöver wird zu Beginn durchgeführt, sowie weitere praktische Sicherheits- und Brandschutzübungen während der Reise. Vor dem Ablegen werden die Hafenmanöver besprochen und unter Aufsicht durchgeführt. Dazu gehört der Gebrauch von Festmacheleinen und Fendern ebenso wie Tauwerks- und Knotenkunde.

Es folgen Unterweisungen und Teilnahme an den Aufgaben des Wachdienstes wie Ruder und Ausguck gehen, Navigationsaufgaben, Funk- und Radarüberwachung, Wetterbeobachtungen und die Kenntnisse über gesetzliche Bestimmungen des Seeverkehrs. Schiffskunde mit Kenntnis zur Ausrüstung an Bord wird vermittelt. Technische Ausrüstungsteile wie Maschinen und Winschen werden gewartet, Konservierungsarbeiten werden durchgeführt. Neben dem traditionellen Segeln wird von den Mitseglern die Erhaltung und kenntnisreiche Bedienung aller Ausrüstungsteile des Schiffes als äußerst wichtig und unmittelbar lebensrettend erkannt.

Das Konzept orientiert sich konsequent an der Einführung in traditionelle Seemannschaft und die Festigung der darin erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten an den im Reiseverlauf entstehenden Situationen. Es folgt dem Geist des „Memorandum of Understanding“ vor allem in den Anforderungen an die Qualifizierung von Besatzungen und Schiffsführungen von Traditionsschiffen, wie sie für Deutschland in der Sportseeschifferscheinverordnung und in der zugehörigen Ausführungsrichtlinie Traditionsschiffe niedergelegt sind.

Das schließt den Erwerb von Erfahrungsnachweisen für den Zusatzeintrag in den Sportsee- oder Sporthochseeschifferschein als Schiffer auf Traditionsschiffen ein. Die entsprechenden Bestätigungen werden an Bord abgezeichnet und Seemeilenbestätigungen ausgestellt. Für Stammbesatzungen werden Trainingsfahrten durchgeführt. Dabei können erste Erfahrungen als Schiffsführer gesammelt werden.